Schminktisch

Behind the mask

Wir erleben jeden Tag was auf der Bühne passiert, doch hinter den Kulissen können wir es nur erahnen…
Lasst uns doch heute mal in die Maske schauen,  Sibylle freut sich schon auf uns.

Zunächst gibt es da die Namensliste, wo jeder Künstler mit seinem Make-up Wunsch  eingetragen ist. Manche sind einfach zu schminken, aber viele haben auch ein aufwendiges Make-up und bekommen teils eine ganze Gesichtsbemalung. Die Vorlagen werden vorher recherchiert und ausprobiert. So entstehen wunderschöne Kunstwerke.

Die professionelle Schminkausstattung ist in den neun Jahren Rampenlichter enorm gewachsen. In diesem Jahr gab es zusätzlich eine großzügige Spende der Firma Kryolan. Vielen Dank! Diese wird hier schon fleißig verwendet.

Farbauswahl
Ich befinde mich gerade beim Schminken der Künstler, die mit der Inszenierung „Glückskinder“ vor mehreren Schulkassen spielen werden.

Nach dem Reinigen des Gesichts wird als erstes die Grundierung mit einem Kompaktpuder geschminkt, damit die Haut im Scheinwerferlicht nicht glänzt. Ergänzt wird die Schicht mit einem transparenten Puder, der nochmal Schweißreste des Gesichts aufnimmt und alles matt erscheinen lässt. Viele männliche Künstler weigern sich noch sich schminken zu lassen, aber das gute Zureden überzeugt sie alle. Für die Mädels gibt es noch ein bisschen mehr Rouge.

Die Maske ist ein Ruheort, wo sich die Künstler vor dem Auftritt nochmal sammeln können. Spannend und turbulent wird es nur, wenn sich die Künstler während der laufenden Inszenierung schnell abschminken oder neu schminken müssen.

Ich muss sagen, hier bekommt man Einiges mit und lernt die Künstler auf eine intensive Weise besser kennen, denn vor dem  Eintritt ins Rampenlicht der Darsteller, ist man ebenfalls ein bisschen aufgeregt , aber die Freude auf eine wunderbare Aufführung ist definitiv größer.

Das nächste Mal sitze ich dann wohl wieder im Publikum und werde berichten,

Schöne Grüße,
Eure Claudia

Mehrmenschen16182

Residence Projekt

Unsere französische Praktikantin Lea Klein begleitet das Residence-Projekt 2016 mehrmenschenmeermenschen und schildert ihre Eindrücke auf deutsch. Die Texte, die sie in einer für sie fremden Sprache verfasst, transportieren Ihre Erlebnisse so schön, dass wir sie nicht korrigieren wollen.

Mehrmenschen1612219/07

Was für einen Eindruck sie machen, wenn sie so in Gruppe tanzen. Da ist wirklich etwas zu spüren. Jeder Einzelne bringt sein Charakter, seine Persönlichkeit, seine Geschichte dazu.

Und die Musik gibt dieser Kraft einen richtigen Impuls.

Wenn man von Musik spricht: kann man sich fragen was ist diese schöne Stimme. Es kommt aus dem Zelt; etwas vom Herzen, eine der Jugendliche am Singen.

Nach und nach scheinen sie Sicherheit zu nehmen und dabei auch Spaß.

Sogar während der Pausen, schalten sie ihre eigene Musik an und tanzen, lassen sich führen, als etwas angeboren.

Alle diese versteckten Talente sowohl in den Liedern als bei dem Tanzen, faszinieren mich völlig. Es verstärkt noch mein Glauben, dass in jedem etwas fantastisch und artistisch schläft. Gerade muss es erweckt werden.

Mehrmenschen16361Mehrmenschen16363

20/07

Man kann nur froh und stolz sein ein solches Projekt zu begleiten. Es ist so interessant zu sehen, wie jeder etwas von sich selbst bringen kann.

Alle bauen eine gemeinsame Geschichte mit was sie von ihren Erlebnissen gelernt haben. Viele Erfahrungen, viele Horizonte aber etwas Gemeinsames : das Schicksal. Und sie stehen jetzt hier genau als Botschafter dieser Idee.

Durch den Tanz, durch diese Bewegungen ihrer Körper, aber auch durch Musik aller Arten, schaffen sie es immer mehr, ein Klima der Infragestellung zu erstellen.
Weil wir genau dazu aufgerufen sind; aufgerufen zu handeln.

Wer ist eigentlich Meister seines Schicksals? …wahrscheinlich niemand…

MehrmenschenLea16181322/07

Heute kamen die Emotionen raus. Weil Tanz und Musik nämlich nicht nur um Schönheit und Unterhaltung gehen, sondern auch um Ausdruck: Ausdruck seiner eigenen Gefühle, Ausdruck seiner Kreativität, seiner Gedanken. Bewusst oder unbewusst.

Als Kahn fertig war sein ausgewähltes Stück zu singen, kamen ihn die Tränen aus. Eigentlich waren dann alle betroffen, und vielleicht ich die Erste. Kein Traurigkeitsgefühl, keine traurige Reaktion, sondern eines Erwecken unseres Innens, unseren Erinnerungen. Tanz und Musik als introspektives Blick : so würde ich die heutige Sitzung beschreiben.

Liebe Grüße

 

Tanz

Die ersten Workshops

Die ersten Workshops fanden im Rahmen des Festivals Rampenlichter statt. Parallel wurden in den Bereichen  Improvisationstheater und Tanz Kurse für Künstlergruppen gegeben.
Im Kurs „Tanz der Vier Jahreszeiten“ stellte sich die Runde, gemischt aus Darstellern der Inszenierungen „Liebe Kitty“ und „Jump ´n´ Run“ auf eine bewegende Art vor. Jeder musste posieren und seinen Namen nennen, was auf gleiche Weise von den Anderen nachgestellt wurde.
Alessandro Pintus, Tänzer und Choreograf aus Rom ist schon zum 3. Mal bei Rampenlichter dabei. Als Lehrer möchte er den Teilnehmenden die Bedeutung von Körperbetonung und Haltung näher bringen. Es sei wichtig, sich selbst wahrzunehmen, denn die Körperhaltung verrät viel über das Innere eines Menschen. Vergleichen kann man körperliche Ausdruckweisen wie folgendes Zitat:

„Wir können aufblühen wie im Frühling, wachsen wie im Sommer, verwelken wie im Herbst und zusammenfallen wie im Winter.“

Ich war neugierig… wollte die Motivationen des Lehrers für solche Workshops kennenlernen und habe nachgefragt.

Tanz

Die Abendveranstaltung „Jump ´n´ Run“, in der es hauptsächlich um Bewegungen und Ausdruck von Emotionen ging, war Inspiration für den Workshop. Für Alessandro sei es wichtig, ein Gruppengefühl zu entwickeln und verschiedene Kulturen zusammenzuführen. Um Freude auszudrücken, reicht schon allein die Erinnerung an ein positives Ereignis.

Ein paar Türen weiter fand der Workshop „Improvisationstheater“ statt.  Schauspieler und Theaterpädagoge, Tobias Ostermeier, ließ die Teilnehmer in kleinen Spielen wichtige Erkenntnisse sammeln. Sätze wie „Beim nächsten Mal mach ich es noch besser!“ oder „Lass deinen Hintern locker.“, sollte sich ein jeder immer wieder bei komplizierten Lebenssituationen ins Gedächtnis rufen. Jeder hat Macht, wenn er den Augenkontakt beherrscht und sich damit verständigen kann.

In einer kurzen Pause habe ich einige Teilnehmer fragen können, wie Ihnen der Workshop gefallen hat. Ich könnte nur Positives erfahren. Es sei verständlich und gut nachahmbar gewesen. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Gruppen hat sehr gut funktioniert und es wurde viel gelacht.

Theater

So wünscht man sich doch immer Unterricht, Aktivsein und dabei noch viel Spaß haben. Dies waren erst zwei von insgesamt 13! Workshop-Themen. Man darf weiterhin gespannt sein, was noch alles bei Rampenlichter passieren wird.

Ich bin da, bist du es auch?
Eure Claudia

Die Eröffnung von Rampenlichter 2016

Wenn ich mich kurz vorstellen darf, ich bin Claudia, Praktikantin als Team-Assistentin bei Rampenlichter. Ich halte in diesem Block meine Eindrücke und Wahrnehmungen fest und lasse Euch an dem spannenden Tanz-und Theaterfestival teilhaben, denn ich finde es sehr wichtig, dass die Aufmerksamkeit auf solche großartigen Kulturprojekte gelenkt wird.

Ich bin das erste Mal dabei, kann aber jetzt schon verstehen, warum wir uns im 9. Rampenlichterjahr befinden. Allein das Feeling, Teil des Teams zu sein und gemeinsam etwas Großes zu schaffen, ist so motivierend, um eine Fortsetzung zu ermöglichen. Aber der eigentliche Fokus ist ganz klar das vielseitige Programm und die Freiheit, selber kreativ zu werden.

Das Festival ist gestartet. Die Eröffnung war ein voller Erfolg.

Den Auftakt ins Rampenlicht machten die Festivalleiter Alexander Wenzlik und Elisabeth Hagl mit einer Rede, die nochmal deutlich machte, warum dieses Festival so wichtig ist.
Weil es nämlich den uneingeschränkten Raum bietet, in dem man Aufwühlend_Bewegend_Echt_Unverschämt  sein kann. Ermutigend war ebenfalls die Rede von Frau Julia Schönfeld-Knor, stellvertretende  Sprecherin im Kultur- und Bildungsausschuss.
Nach einem kurzen Video des Schirmherren Claus von Wagner ging es los…
Die Tanztheater Inszenierung“ Calvin Klein“ war ausdrucksstark, provokant und vor allem real.
Die Coolness, die von der Aufführung ausging demonstrierte, doch letztendlich war nur eine Fassade des Gruppenzwangs. Erst als aus zwei Gruppen Eine wurde, fiel für einen Moment die Maske und ermöglichte ein harmonisches Zusammenspiel, bis sich alles wieder in einzelnen Tänzer auflöste.

Calvin16560

Jump16888

Den Gegensatz bot die Inszenierung „Jump ´n´ Run“. Ein buntes Treiben, in einzelnen Szenen dargestellt. Als Zuschauer war man Gast auf einer Party und erlebte diverse Szenarien in Form von Gruppen-  oder Soloperformances. Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle, welche von den Künstlern in verschiedenen Tanzrichtungen zum Ausdruck gebracht wurden. Kostümwechsel und die Nutzung von Requisiten machten die 30 minütige Vorstellung zu einem bewegenden Gesamtkunstwerk.

Man darf gespannt sein, wie es bei den kommenden Inszenierungen zugeht. Auf jeden Fall nicht langweilig… und falls Ihr selber kreativ sein wollt, dann kommt zu unserem Kunstspielraum  oder nehmt  an unseren Workshops teil.

Bis bald
Eure Claudia

Das Rampenlichter-Programm 2016

Vorhang auf… für das neunte Tanz -und Theaterfestival Rampenlichter, die Bühne für 17 vielseitige Inszenierungen von Kindern und Jugendlichen aus Deutschland, Österreich und Spanien.

Die Idee hinter dem Projekt Rampenlichter, ist die Schaffung eines Raumes, in dem das künstlerische Entwickeln und Darstellen von hochwertigen Kinder- und Jugendproduktionen einer breiten Öffentlichkeit  jeder Altersgruppe zugänglich gemacht  und der künstlerischen Eigenwert begreifbar wird. Kinder und Jugendliche aus allen sozialen und kulturellen Lebenslagen im Alter von 6 – 27 Jahren werden als Kunstschaffende in einem gemeinsamen künstlerischen Schaffensort integriert.

Sie alle erzählen ihre eigenen Geschichten über Sehnsüchte, Wünsche, dem Kampf ums Überleben, dem Erwachsen werden oder über die Liebe und doch haben sie alle eines gemeinsam, die Begegnung.

Damit wir die Gegenwart  verstehen können, müssen wir oftmals in die Vergangenheit blicken. In der Theaterinszenierung „Glückskinder“ wird die Vergangenheit mit der Gegenwart verbunden. Neun Schwabenkinder wurden im Frühjahr aus den armen Bergdörfern von ihren Eltern über die schneebedeckten Alpen ins Schwabenland geschickt, um als Mägde oder Knechte zu arbeiten. Ausgangspunkt für die Stückentwicklung war die Thematik Kinderarbeit.  Weitere aktuelle Themen wie der Syrienkrieg und die daraus folgende Konsequenz, die Flucht vieler Menschen nach Europa werden unter anderem  in „Sternschnuppenzeit“ und „mehrmenschenmeermenschen“ thematisiert.

Mehrmenschenmeermenschen ist eine Tanztheater und Musik Performance, die von jungen unbegleiteten Flüchtlingen performt wird. Immer mehr Menschen kommen, hier sagen wir: Wir brauchen keine Menschen mehr. Draußen tobt das Menschenmeer . Was haben wir gemeinsam? Sind wir Menschen?

©/Oliver Hurst// copyright by : Oliver Hurst, Seefeldstraße 46, 76437 Rastatt. info@kunstlicht-fotostudio.de Diese Fotografie unterliegt dem Urheberrecht des Fotografen Oliver Hurst, Kunstlicht Fotostudio. Bei einer durch den Fotografen Oliver Hurst genehmigten Veröffentlichung hat immer der erforderliche Bildquellennachweis Urhebervermerk zu erfolgen. (§13 UrhG) und zwar: Foto Oliver Hurst

In der Theaterinszenierung „Sternschnuppenzeit“ wird der Spieß umgedreht. In Deutschland und im gesamten Europa tobt ein Krieg. Eine Familie flieht nach Tunesien. Sie steht vor vielen Herausforderungen:  Sprache, Kultur, Religion, der Wunsch in Tunesien bleiben zu dürfen überwiegt bei die Sehnsucht nach der Heimat, in welcher der Krieg weiter geht. Die Jugendlichen setzten sich mit der arabischen Kultur, dem Islam, der Flucht und den Nazis auseinander.

Um das Überleben geht es auch in dem Theaterstück „Liebe Kitty“, aber auch um das Erwachsen werden, um Freiheit und gefangen sein. Acht junge Menschen haben sich mit dem Tagebuch der Anne Frank auseinandergesetzt, „ich sehne mich so, ich sehne mich so nach allem!“.
„Janus“ wiederum ist eine tänzerische Auseinandersetzung mit den Widersprüchen unserer Zeit und der Frage, wie wir ihnen begegnen können. Gegensätze kämpfen miteinander und schließen sich gegenseitig aus. Das macht es oft schwierig mit ihnen umzugehen. Der Gott „Janus“ steht für die existenziellen Gegensätze des Lebens, er vereint und verbindet die Perspektiven. Es gibt kein Gut und kein Schlecht.
All diesen brisanten Themen setzt das Tanztheaterstück „Reset the world“ einen Gegenpol. Es herrscht Chaos und Unruhe. Stell dir vor du hast einen Reset Button und schon sind wir in einer besseren Welt. In einer Welt, in der es einen gemeinsamen Ort gibt, wo jeder willkommen ist. Wo es darum geht, gemeinsam etwas Großes zu erreichen. Wir fangen komplett neu an.

Melting Spots to dance with..._Melanie Seeger_1

Vielleicht heißt komplett neu anfangen, sich damit auseinanderzusetzten wie wir selbst Menschen begegnen. Wie verhalten wir uns, wenn wir alleine sind? In Gruppen sind? In“ Melting spots to dance with…“ beobachteten 16 Kinder in ihrem Stadtteil die Menschen und ihre Gruppierungen und entwickelten eigene Ideen für tänzerische Begegnungen mit Fremden.  Austausch und Begegnung ist überall möglich. Bahnhöfe bilden Knotenpunkte unserer Gesellschaft -Transiträume für verabschieden und willkommen heißen. Sie sind Orte, der Begegnung verschiedener Kulturen. In dieser Theater -und Musikperformance „Grenzenlos“, die in Form eines Schattentheaters aufgeführt wird, zeigen die Künstler_Innen,  das bunte Treiben der Menschen an Bahnhöfen.

Mit der Entwicklung von einer flüchtigen Begegnung bis hin zur großen Liebe beschäftigen sich die  „Experten über: Liebe“, ein Puppenspiel über Liebe und Teenies, die aufklären wollen, unterstützen, beraten, Visionen entwickeln und Antworten finden.

In dem Tanztheater „Panorama“, werden Geschichten von Mädchen und Frauen erzählt. Neun Frauen zwischen 6 und 82 Jahren. Wie bewegen wir uns, was bewegt uns? Was bewegt uns in den verschiedenen Lebensabschnitten? Im Kopf? Im Körper? Ein Stück Lebenspanorama.

Was passiert mit uns, wenn wir im Alter zwischen 12 und 20 Jahren sind? Was bedeutet es erwachsen zu werden? Stehen wir alle unter dem Druck dem Image gerecht zu werden? In der Theaterperformance „Was wir wollen“ fragen sich die Künstler_Innen, wie das Erwachsen werden in Spanien und Deutschland aussieht? Gibt es dort Unterschiede? Als Stückvorlage für eine freie Interpretation diente Frank Wedekinds „Frühlingserwachen.“

QDC – jump’n’run_Marianne Menke_6729

Achterbahnfahrten der Gefühle, Stimmungswechsel. Liebe, Wut, Verzweiflung und Vorfreude. Im Hintergrund läuft die Party weiter. Die Spots richten sich auf die momentanen Glücksmomente der Kinder, zu sehen in  „Jump ´n` run“- eine Tanztheater-Inszenierung.

Um Stimmungswechsel, Gruppengefühle und cool sein handelt es sich auch bei Calvin Klein der „Heroin Chique der 90er Jahre“. Hinter der Kulisse des „Cool- seins“ entpuppt sich doch so manche „awakward- Situation“. Zickenkrieg in Cliquen und Klassen gibt es auch in dem Zirkus-Erzähl und Tanztheater „Von der Rolle“. 3 Stücke eine Rolle. Was macht ein Clown mit einer Rolle? Was bedeutet Glück für die einzelnen Spieler? Als Arbeitsmaterial diente hierfür das Märchen Hans im Glück.

Sehnen wir uns nicht alle nach Glück, Harmonie und Frieden? Die Leute von Swabedoo (ein Tanztheater) wohnen in einem Dorf harmonisch zusammen, bis ein Kobold Misstrauen sät. Neid, Zwietracht breitet sich unter den Bewohnern aus. Schaffen die Bewohner die dunklen Gefühle zu verdrängen? Um Märchen geht es auch in „der gestiefelte Kater“, dort werden deutsche Märchen in einer eigenen Interpretation gespielt.

Verschwiegen, gelogen, versteckt und abgelenkt wird in der Krimikomödie „Eine Leiche in den Flitterwochen“. Eine Leiche wird in einer von der Pleite bedrohten Redaktion gefunden.  Zwei potentielle Geldgeberinnen, die die Redaktion besichtigen wollen treffen ein…

In den zwei Wochen stehen die Schwere Reiter Straße und ein vielseitiges Programm im hellen Rampenlicht. Die jungen Schauspieler und Tänzer sind bereit… bist du es auch?

Kommt vorbei! Wir freuen uns auf euch!

 

„In Wirklichkeit sind alle Menschen gleich“ – das Theatre of Equals lebt Inklusion

Mascha und die meisten Anderen der russischen Theatergruppe haben sich diesen Nachmittag für den Clownerie Workshop entschieden. Der Clown arbeitet ohne Sprache. Hier steht die Mimik und Gestik im Vordergrund. Zwar werden die Aufgaben der Workshopleiterin Alexandra von Tatjana für die Gruppe übersetzt, die einzelnen Übungen laufen danach allerdings wie von alleine. Gemeinsam mit den Mädels vom Tanz- und Theaterensemble Bühnenstürmer setzen sich alle zu Beginn erst einmal eine rote Nase auf und dann wird zusammen das typisch clowneske Over-acting trainiert, d.h. je übertriebener desto besser. Gefühlszustände werden bloß mit dem Gesicht dargestellt, alltägliche Gegenstände wie ein Kehrbesen betrachtet, als hätte man sie noch gesehen. So bürstet Mascha ihrer deutschen Namensvetterin mit dem Besen die Haare und diese versucht sich im Kehrblech zu spiegeln. Kommuniziert wird weder über die deutsche, noch über die russische Sprache, stattdessen findet nonverbaler, interkultureller Austausch statt.

In dieser aktiven Teamarbeit sind alle Mitglieder des „Theatre of Equals“ Profis. Hier sind Jugendliche und professionelle Künstler, mit und ohne Beeinträchtigung auf gleicher Augenhöhe künstlerisch tätig, unabhängig von ihren körperlichen, geistigen oder sprachlichen Einschränkungen. Die Intention des inklusiven Kulturprojektes ist es, zu zeigen, dass auf der Bühne die Hindernisse des Alltags weggefegt werden können. Ob jemand kleinwüchsig ist oder im Rollstuhl, spielt auf der Bühne keine Rolle mehr, nur der außertheatrale Raum hinkt diesbezüglich hinterher.

Begonnen hat alles mit einer kleinen Aufführung von ein paar Studenten der Staatlichen Universität Woronesch im September 2013. Dmitry Chugunov, ein Professor der Universität, schrieb daraufhin der Gruppe ein Stück, welches im Juni 2014 uraufgeführt wurde. Dabei gehörten viele erst seit Januar und Februar zum Ensemble. Also trainierte Anna Grebenschekova mit professionellen Schauspielern die Neuen zwei Monate lang in szenischem Sprechen und in ihren schauspielerischen Fähigkeiten. Im April kam dann der Regisseur Vadim Krivosheyev zur Gruppe dazu. Für das bei Rampenlichter aufgeführte Stück ließ Vadim zunächst alle in der Gruppe Texte des 1899 in Woronesch geborenen Autors Andrei Platonow lesen, ein Gefühl für sie entwickeln und sprach mit allen über ihre Emotionen. Danach wurden die Texte letztlich ausgewählt, so dass jeder Teilnehmer sein kreatives Potential realisieren konnte. So entstand eine Collage aus verschiedenen Erzählungen Platonows.

Trotz ihrer kurzen Theatergeschichte war das „Theatre of Equals“ schon Teil mehrerer Theaterfestival, wie dem Big Break, dem internationalen Festival für Kindertheater in Moskau. Pustodushije ist erst ihr zweites Stück. Als Handlungsrahmen dient der Ort Woronesch in den 1920er-50er Jahren. Im Mittelpunkt der ersten Geschichte steht Juschka. An einer Krankheit leidend wird er zum Ausgestoßenen des Dorfes. In stoischer Ruhe erträgt er alle Hänseleien und entschuldigt sie gar: „Sie lieben mich, aber sie haben blinde Herzen.“ Verständnis zeigt sich von anderer Seite aber als Fremdwort. Die Eltern warnen ihre Kinder, nicht wie Juschka zu werden. Die Kinder wiederum löchern ihn mit Fragen: „Warum bist du so komisch? Hast du nichts zu sagen?“ Keiner hat Scheu ihm ins Gesicht zu sagen, man wünsche seinen Tod. Statt unter Menschen sucht sich Juschka daher Nähe bei den Tieren und Pflanzen, mit offenen Armen dreht er sich im Scheinwerferlicht und ohne die ausgrenzenden Dorfbewohner sieht man ihn endlich als frei. Ein einziges Mal reagiert Juschka allerdings auf eine Beleidung, sein Tod ist die Folge davon: „Die Menschen haben dich ausrangiert.“

Diese Mechanik des Lebens, die Menschen als Teile im Getriebe werden auch choreografisch in Szene gesetzt. Die nächste Hauptfigur, der „Vater“, fährt neue Lokomotiven ein und nennt sich selbst „Herr Mechaniker“. Auf Stühlen im Kreis sitzend rascheln alle stakkatoartig mit den Zeitungen in ihren Händen, so dass die Fahrgeräusche akustisch vernommen werden. Über die exakte Choreografie erscheinen diese Szenen als eine Art chorische Geste. Ab und an fährt ein Zug ein, dabei hilft die Mundharmonika. Die Bewegungen der Schauspieler wirken mechanisch, wodurch das Stück erkennbar eigene rhythmische Momente erhält. Ein sich stets wiederholender Satz lautet: „Eine Bewegung kann nie anhalten“. So stellt sich beispielsweise das Durcheinander und Gewusel am Bahnhof als ein Slalomlauf um die Stühle dar. Die Geschichte wird dabei von allen in wechselnden Erzählerrollen vorgetragen. Es werden etwa Ausschnitte aus dem Alltag des Vaters erzählt: „Wenn es trübe war, nahm er den Regenschirm mit.“ Die daraus sich entwickelnde Story gehört jedoch der Tochter Frosja, welche ihren Mann derart vermisst, dass sie ihm ein Telegramm zukommen lässt, in dem sie ihm eine lebensbedrohliche Krankheit vorgaukelt, bloß dass dieser nach Hause käme. Sobald er also wieder ganz ihr gehört, lautet ihr Plan: „Morgen oder übermorgen beginnen wir echt zu leben.“ Doch hat diese Form des Liebesegoismus‘ hier keine Zukunft und er macht sich wieder auf den Weg. Nach einem Happy End in den Erzählungen sucht man vergeblich. Vielmehr steht im Fokus, wieviel Hoffnung sich noch aufrechterhalten lässt in dieser Welt, die auch von Krieg gezeichnet ist. So kehren in der Schlussgeschichte eine Mutter und ihr achtjähriger Sohn nach Hause zurück, um in ihrem verbrannten Haus, in welchem sie doch vor kurzem noch lebten, nach Dingen zu suchen, welche nicht zu Asche geworden sind. Während das Kind Fragen stellt, die von der Mutter unbeantwortet bleiben: „Wie sehen Feinde aus, Mama? Warum haben die Feinde leere Seelen?“ Leere Seelen ist das Motto aller Geschichten. Denn, um es in Juschkas Worten zu formulieren: „In Wirklichkeit sind alle Menschen gleich. Wir sind alle gleich wichtig.“ Diese Gedanken, die von den jungen Schauspielern auf der Bühne in ihrer eigenen Ästhetik sichtbar gemacht wurden, führten am sechsten Rampenlichter Abend zu Standing Ovations und werden hoffentlich noch an vielen Abenden Gehör finden.

„Das ist wahre Spielfreude“ – Mitreißende Frankfurter eröffnen Rampenlichter

Für Ruben ist es der erste Auftritt bei einem Theaterfestival. Ein Freund hat ihn mit zu den Proben genommen. Der Freund ist nicht mehr dabei, aber für Ruben wurde die Bühne zum Ort, an dem man sich ausprobieren kann, Sachen unternimmt, die vielleicht nicht Teil des sonstigen Alltags sind. Rampenlichter, und das wurde von allen Anwesenden am Eröffnungsabend betont, ermöglicht Kindern und Jugendlichen diese, ihre Kreativität frei auszuleben. Genau das haben die Mädels der Bühnenstürmer München dem Publikum zu Beginn entgegengerufen: „Hier werden wir verstanden, gesehen, gehört.“

Doch bevor Ruben und seine Freunde sich ihrer Bühnenlust hingeben konnten, wurde von den Machern und Förderern in einer kleinen Diskussionsrunde noch einmal deutlich gemacht, was Theaterarbeit mit Kindern und Jugendlichen bedeuten kann. Die Runde wurde eröffnet vom Kulturreferenten der Stadt München, Herrn Hans- Georg Küppers, der Rampenlichter vor allem als Raum begrüßt, den die Kinder und Jugendlichen zum Entfalten und Spielen nutzen können. Hier ist ein internationaler Austausch möglich, in dem gelernt wird, wie Gemeinsamkeiten erkannt und Differenzen ausgehalten werden können. Auch für junge Flüchtlinge bietet der kreative Ausdruck auf der Bühne nach Stefan Fischer vom Münchner Jugendamt die Chance Teil einer Gruppe zu sein und damit Isolation zu überwinden. Es gilt einen Ort zu schaffen, an dem sie nicht als Flüchtlinge wahrgenommen werden und auch ohne Vorbedingungen mitmachen dürfen. Dirk Adomat, Leiter der Münchner Serviceagentur für Ganztagsbildung nennt es einen angstfreien Raum zur Herzensbildung, der über die Schule hinausgeht. Das Schaffen solcher, experimenteller Räume ist nach der künstlerischen Leiterin des PATHOS München, Angelika Fink, ein wichtiger Bestandteil der freiproduzierenden Theaterkunst.

Für Janna Reusch von der Theatergruppe Ackermannbogen, die ihr Abitur selbst erst frisch in der Tasche hat, steht insbesondere die Gelegenheit in professionellem Rahmen, d.h. mit Maske und Technik, zu spielen im Vordergrund. Diese professionelle Betreuung sieht Detlef Köhler, der künstlerische Leiter der Eröffnungsgruppe und Vorstandsmitglied der Assistej, auch in den Proben als wichtige Rahmenbedingung an. Gleichzeitig liegt darin auch der Grund für die Bedeutung von ausreichend finanzieller Förderung in diesem Bereich, da bloß in kleinen Gruppen diese Arbeit sich für ihn als Nachhaltige zeichnen kann. Im Fokus steht für Köhler der Freiraum in geistiger Hinsicht, die Möglichkeit über das Festival andere Gruppen zu sehen und daraus etwas mitzunehmen für die eigene Arbeit. Das konnten die Gruppen im Publikum am Eröffnungsabend mit Sicherheit auch über sein Stück sagen, das mit viel Applaus und herzhaften Lachern das Festival eröffnete.

Das KinderEnsemble des Theaters GrueneSosse Frankfurt, bestehend aus Kindern zwischen 7 und 13 Jahren, zeigte seine bisher dritte Produktion mit dem Titel Lügen haben kurze Beine. Das Überthema wird gewissermaßen vorgegeben, sagt FSJlerin Elisabeth, der Rest des inhaltlichen Rahmens definiert sich über die Gespräche in den wöchentlichen Proben. Auch die Texte sind im Wesentlichen während der Proben aufgenommen und werden nur geringfügig redigiert. Viele Szenen entstehen hier aus Improvisationen und Übungen.

Eine richtige Narration gibt es auch an diesem Abend nicht. Es sind vielmehr Puzzleteile, die um das Thema kreisen. Im Kaufladen steht Eva als Lügenverkäuferin. Notlügen müssen allerdings aus dem Lager geholt werden und Vorratslügen sind mit Klopapier umwickelt im Kühlschrank aufzubewahren. Da kostet eine sehr gute und intelligente Lüge schon einmal 8 € und Payback Punkte bekommt man dafür auch. Ausreden kommen sogar in den Versionen premium oder regular. Zu den Tönen von Jingle Bells wird dann nach der Verlogenheit von Weihnachten gefragt. Statt Weihnachtsgans wird laktosefrei, glutenfrei und vegan gegessen. Der Weihnachtsbaum ist aus Plastik und Kerzen kommen aufgrund der Bienenallergien der Kinder nicht ins Haus. In der Kirche wird Rolf Zuckowski gesungen und zu Feliz navidad mit einer swingenden Lara als Pfarrerin heiter geklatscht. Zu dieser Performance fällt meinem Sitznachbar nur eines ein: „Das ist wahre Spielfreude!“ So kann Rampenlichter weiter gehen.