Jula über „Erzähl mir keine Märchen!“

Das Stück „Erzähl mir keine Märchen!“ vom Düsseldorfer Schauspielhaus erzählt von einer Märchengeschichte in einem fernen Land. Ein furchteinflößender Drache, gespielt von einem Jungen mit Downsyndrom, versetzt die Bewohner:innen des Zauberlandes in Angst und Schrecken. Als Zuschauer erfährt man jedoch schnell, dass der Drache sich sehr einsam fühlt und eigentlich nur auf der Suche nach Freunden ist. Seine Trauer und Wut drückt er durch sein lautes Gebrüll aus.

Eine Nixe mit dem Namen „Lilith“ möchte mit einer „Feda“ gegen den Drachen kämpfen damit alle wieder in Ruhe und Seligkeit leben können. Genau wie Nixen, welche nicht laufen, sondern sich nur im Wasser fortbewegen können, sitzt die Schauspielerin der Nixe im Rollstuhl und Feda und sie können sich nur tänzerisch gemeinsam auf den Weg zum Drachen machen.
Die beiden nehmen ihren ganzen Mut zusammen und stellen fest; umso näher sie dem Drachen kommen, desto kleiner und ungefährlicher erscheint er ihnen. Der Drache ist nämlich ein Schein-Drache, genau wie Turtur der Scheinriese aus Jim Knopf.

Natürlich hat auch dieses Märchen zur Freude der Zuschauer:innen ein Happy End und der Drache findet in Feda und Lilith endlich Freunde.

Das Ensemble des etwa 30-minütigen Stückes hat selbst ihre fabelhaften Märchenwesen entwickelt, die Texte verfasst und sich insbesondere mit Themen wie Identität, Sprache, Diskriminierung und verschiedensten Barrieren im Alltag auseinandergesetzt. Das Stück hält eine Audiodeskription sowie eine direkte Übersetzung in die deutsche Gebärdensprache bereit.

Eine tolle Geschichte für Groß und Klein lieferte das Düsseldorfer Schauspielhaus, vielen Dank dass ihr bei Rampenlichter2021 mit dabei wart – es war uns eine Freude!

von Jula

Zwei Perspektiven zu dem Stück „Stück04“ von Ensample, Junges Tanztheater Ensemble, Herne

Das Junge Tanztheater Ensemble Ensample aus Herne ist eine sehr heterogene Gruppe – und das in jeder Hinsicht. Die Tänzerinnen und Tänzer kommen alle aus Herne oder der Umgebung, und sie bringen alle ihre ganz eigene Geschichte mit in das Stück ein und auch ihren Tanzstil: Ballett, Breakdance, Popping, Modern – all diese Einflüsse prägen es. 

„Unruhe“ als Leitmotiv für die Konzeption der Tanztheaterdarbietung ist einer der gemeinsamen Nenner des Bühnenwerks und der Darsteller*innen. Daneben sind es die Liebe zum Tanz und ähnliche Ansichten, was Themen wie Rassismus, Feminismus, Obdachlosigkeit, Unterdrückung und Benachteiligung gesellschaftlicher Minderheiten und Randgruppen angeht. All diese Stichwörter haben natürlich eine sehr große politische Dimension und so ist es nicht verwunderlich, dass die Darstellung dieser Themen und von diesen gegenüberstehenden Protestbewegungen als Ausdruck der Unruhe, ausgelöst von Ungerechtigkeit und gesellschaftlichen Missständen, Grundlage für die inhaltliche Ausgestaltung und tänzerische Umsetzung ist.

Für die Zuschauer ist dieser inhaltliche Pfeiler nicht nur unübersehbar, sondern auch nachdrücklich fühl- und spürbar. Das Spiel mit Licht und Schatten, der Wechsel zwischen schnellen und langsamen Sequenzen, laut und leise, Monologen und Tanzszenen, die allgemein gedeckten und eintönig, ja gleichmachenden Outfits, von denen sich nur ein greller, roter Schal absetzt, all das ist der Inbegriff von Dynamik, von Antrieb und Unruhe. Auch die Wahl der Musikstücke, die tendenziell wenig melodisch – oder wenn doch, eher dramatisch, trist treibend – und stark rhythmisch sind, mit Geräuschen, die Klopf- oder Schrittgeräuschen gleichen und teilweise basslastig sind, unterstreichen und fördern diese Atmosphäre.

Der Einsatz von unzähligen Schuhpaaren – vom Gummistiefel hin zu High Heels – in verschiedenen Kontexten und Szenen ist ein besonderes Detail: Die Schuhe, scheinen mal Wurfgeschosse oder gar Bomben, mal materielle Güter, die es anzuhäufen und zusammenzuraffen gilt, mal Sinnbild für Ordnung und Chaos oder die systematische Aufspaltung in verschiedene Nationen und Länder, Interessengruppen und gesellschaftliche Milieus, Mehrheit und Minderheiten zu sein. Wenn sie zuletzt über die ganze Bühne verstreut liegen und über sie hinweg und zwischen ihnen getanzt wird, drängt sich unweigerlich der Eindruck eines Schlachtfelds auf.

Die tänzerische Leistung der Darsteller*innen war für die Augen eines Laien beeindruckend. Bewegungen, die das Erschossen-Werden imitierten, wirkten so echt, dass man beinahe nach dem Maschinengewehr Ausschau hielt. Manche Szenen waren so sanft und einfühlsam getanzt, dass sie zu Tränen rührten, andere so voller Aggression und Nachdruck, dass sie einschüchterten und erschreckten. Das Zusammenspiel der Tänzer*innen schien nahezu mühelos und wirkte nahtlos. 

In einer Szene, bei der alle Tänzer*innen in der linken hinteren Ecke mit Rücken zum Publikum einen Protestmarsch oder Aufstand darzustellen schienen, wirkte – durch einen geschickt positionierten Scheinwerfer – vor allem der Schattenwurf, der sich über die gesamte Bühnenfläche, hoch über die rechte Bühnenaußenwand zog, bedrohlich – wie eine Szene in einem Horrorfilm, kurz vor der nächsten Tat des Serienmörders.

Spannung wird zu Beunruhigung wird zu Unruhe.

Im anschließenden Publikumsgespräch wurden einige Aspekte des Stücks noch sehr viel greifbarer:

Ein Darsteller öffnete sich so weit, über seine Kriegserfahrungen in Syrien zu sprechen, die Eingang in sein Solo fanden. Die Schilderung berührte zugleich ganz tief und ließ einen andererseits vollkommen ratlos und betroffen zurück, da einem jede naheliegende Reaktion auf eine solche Erfahrung unangemessen erscheint und es sich der Vorstellung eines durchschnittlichen Westeuropäers entzieht, mit welcher Not und welchem Schmerz ein solches Erlebnis verbunden sein muss.

Es bestätigte sich zudem, was schon in der Performance sichtbar war: Die Darsteller*innen fühlen sich fast schon wie eine Familie, so innig sind die Beziehungen zwischen ihnen durch die gemeinsame Arbeit am Projekt geworden.

Sehr überraschend war allerdings, dass die gesamte Vorbereitungszeit für das Stück sich auf nur ca. vier Wochen belief.

Umso beeindruckender ist, was das Ensemble und deren Leitung geschaffen und geleistet haben. Nämlich ein tief berührendes und zum-Nachdenken-anregendes Stück, das absolut sehenswert ist.

Danke dafür!

Dominik

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Bildnerisch werden die Gefühle der Menschheit in der ersten Pandemie dargestellt. 

Der Mensch vereinsamt und traut sich nur noch einzeln auf die Straße. 

Die Tänzer:innen kamen auf die Bühne und es wurde das Lied Imagine von John Lennon interpretiert. 

Ein Artist war auf der Bühne und bewegte sich zu Klängen der Melodie im Hintergrund. 

Sind wir nicht alle Unikate und laufen einsam durchs Leben?

Kann es anders vielleicht doch besser sein?

Wie lange wird es noch dauern bis wir uns wieder anderen Menschen annähern und es gemeinsam angehen?

Jeder vereinsamt aber nein red es dir nicht ein. DU BIST NICHT ALLEIN. 

Zusammen sind wir stark!

Dies ist nicht das Ende sondern die Chance eine neue Revolution zu starten. 

Daniele 

Die Raumveränderer feiern „Die Party“

von Dominik Eichinger

„Die Raumveränderer“ ist ein Projekt an der Gemeinschaftsunterkunft in der Neumarkter Straße. Dort leben Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Altersgruppen und zusammen mit ihnen wird – wie der Name schon verrät – immer wieder Raum und Atmosphäre der Unterkunft durch ein vielfältiges kunst- und spielpädagogisches Programm verändert. Es bleibt nicht beim Raum allein, denn Ausflüge in andere Stadtteile, zu anderen Labs von Spielen in der Stadt wie Zirkuslust oder der Besuch der verschiedenen Pop-ups ArtMobil, Tanz. Die. Invasion und Zirkus Pumpernudl verändern bestehenden Raum nicht nur, sondern eröffnen ganze neue Räume, in denen die Kinder und Jugendlichen sich ausprobieren, erforschen und innerhalb derer sie wachsen können. Ein ganz besonderes Projekt führte die Raumveränderer zum diesjährigen Tanz- und Theaterfestival Rampenlichter: Sie besuchten es nicht nur, sondern wurden selbst zu Darsteller:innen und spielten unter der Leitung von Conny Schmid und Konstantina Gioti ihre eigene Aufführung mit Namen „Die Party“.


In der Generalprobe zeigte sich, dass es immer wieder ein kleines Kunststück ist, die Aufmerksamkeit und Konzentration von Kindern auf das, was gerade im Vordergrund steht, zu richten – in diesem Fall die Probe. Natürlich waren in diesem Zusammenhang bestimmt auch Nervosität und eine gewisse Reizüberflutung aufgrund all der Menschen und Dinge, die es auf dem Festivalgelände zu entdecken gab, ein Grund für die Unruhe der Kinder. Es war jedoch bemerkenswert mitanzusehen, mit welcher Ruhe, Geduld, Energie und Euphorie und vor allem Feingefühl Conny, Konstantina und als weitere Betreuerin Sabrina Kanthak mit den Kindern umgingen und sie immer wieder zurück in das Geschehen der Probe holten. Auch wenn aufgrund vorbereitender Techniker, Stühle positionierender Mitarbeiter:innen und am Rande des Geschehens telefonierender Organisator:innen alles ein wenig chaotisch abzulaufen schien, war die Freude der Kinder an ihrem Theaterstück doch immer wieder deutlich sichtbar, sei es in der Vorbereitungsrunde im Plenum oder in verschiedenen Szenen.


Schließlich galt für diese Generalprobe auch, was im Theater generell als ein gutes Omen gehandelt wird: Eine Generalprobe mit Hindernissen verhilft zu einer guten Premiere!


… und sie gelang sogar sehr gut! Anders als in der Vorbereitungsphase war die Nervosität der ein oder anderen Darstellerin und dem ein oder anderen Darsteller durchaus anzumerken, aber sie spielten ihre Rollen dennoch souverän: Auch eine Party will schließlich gut vorbereitet sein und so besuchten die Herren den Friseur für eine schicke Partyfrisur und die Damen kleideten sich in der angesagtesten Boutique der Stadt in schillerndste Gewänder neu ein. Hier erhielten sie auch die wichtige Info, mit welcher Buslinie sie am schnellsten zur Party kämen.
Und was für eine Party es war! Das Pathos verwandelte sich zum fulminanten Finale von einem Theaterraum in die Tanzfläche des Lieblingsclubs, mit fetziger Musik und einem Reigen von sich bewegenden Körpern in buntesten Gewändern! Zuletzt konnte auch das Publikum nicht mehr an sich halten und feierte ausgelassen tanzend mit.
So machten die Raumveränderer ihrem Namen alle Ehre!

Eröffnungsrede Rampenlichter 2021

Einen wunderschönen guten Abend und ein herzliches Willkommen an alle, die heute live hier im Theater sind und alle, die die Eröffnung über den Livestream verfolgen, und ganz besonders an alle zum diesjährigen Festival eingeladenen Gruppen! Es ist ein besonderes Festivaljahr und das zeigt sich zuallererst an der Zuschauersituation, die coronabedingt auf maximal 30 Zuschauer:innen begrenzt ist und so können eben nur einige wenige Menschen heute live dabei sein. Gleichwohl führt diese Situation dazu, dass wir die Eröffnung und alle anderen Abendaufführungen streamen, wodurch wir zum allerersten Mal in der 12-jährigen Geschichte von Rampenlichter die Situation haben, dass nahezu alle teilnehmenden Ensembles über den Stream an der Eröffnung teilnehmen können. In jeder schwierigen Situation steckt eben immer auch eine Chance. 

Ich möchte Ihnen und euch versichern, dass heute Abend hier im Saal nur Menschen sind, die für Rampenlichter eine ganz wichtige Rolle spielen und für uns wichtig und bedeutsam sind. Fühlen Sie sich/fühlt euch alle ganz, ganz herzlich willkommen. Einige von diesen besonderen Menschen werden nach mir heute noch sprechen und müssen nicht gleich jetzt vorgestellt werden. Eine Person möchte ich jedoch extra begrüßen und zwar die Stadträtin Clara Nitsche. Herzlich Willkommen. 

Ich möchte zu Beginn dieses Festivals, auch im Namen meiner wunderbaren Kolleg:innen Elisabeth Hagl und Sebastian Korp, die mit mir dieses Festival leiten und im Namen des gesamten Rampenlichter-Teams – all denjenigen unseren ganz großen Dank aussprechen, die durch ihre Unterstützung beigetragen haben, dass das diesjährige Rampenlichter Festival stattfinden kann. 

Wir haben uns als Verein vor nunmehr zwei Jahren, also kurz vor dem Beginn der Coronapandemie, ein übergeordnetes Thema für all unsere Projekte gegeben: EROBERUNG! Um das verstehen zu können, ein kurzes Zitat aus dem einleitenden Text unseres Eroberungsprogramms:

Was ist eigentlich Eroberung? Eine Entdeckungsreise? Ein vorsichtiges Herantasten? Ein Auskundschaften? Eroberung heißt, sich Orte und Räume anzueignen, sie zu übernehmen und zu gestalten. Eroberung bedeutet aber auch über Grenzen zu gehen und bestehende Ordnungen infrage zu stellen. Eroberer haben Visionen für die Zukunft. Eroberer haben Ideen, die sonst niemand hat. Eroberer zeigen den Bescheidwissern, was diese gar nicht sehen. Eroberer sind selbstbestimmt und wild entschlossen, denn sie haben ein Ziel. Die Oberfläche der Stadt wird aufgerissen. Freiräume sind Spielräume. Kriecht in sie hinein und taucht mit Schätzen wieder an die Oberfläche. Verschwindet und werdet sichtbar! Gestaltet, ertanzt und erspielt die Stadt neu.“

Wir waren schon vor Corona zu tiefst davon überzeugt, dass es mehr denn je an der Zeit ist, gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen darüber nachzudenken und Projekte und Formate zu ersinnen, in denen Kinder und Jugendliche Orte, Räume für sich erobern und das gesellschaftliche Miteinander wirklich ernsthaft gestalten können. Für uns sind Kinder und Jugendliche Eroberer, von denen gesellschaftlicher und kultureller Wandel ausgehen kann.

Wenn Corona eines gezeigt hat, dann welch geringen Stellenwert Kinder und Jugendliche in unserer Gesellschaft und auf politischer Ebene haben. Nicht überall, z.B. hier in München nicht, aber im Großen und Ganzen eben schon. Die Auswirkungen der Coronamaßnahmen waren und sind für Kinder und Jugendliche massiv. Nach dieser langen Zeit heftiger Entbehrungen und fehlender Ausdrucksmöglichkeiten ist es uns mit Rampenlichter ein zentrales Anliegen, Kindern und Jugendlichen die Teilnahme an einem Programm zu ermöglichen, in dem Sie genau das, was sie in den letzten Monaten so schmerzlich vermisst haben, nun tun können: sich mit anderen Kindern und Jugendlichen austauschen, sich künstlerisch betätigen und ausdrücken, auf die Bühne gehen, gehört werden, Anerkennung erfahren, künstlerischen Input bekommen und ihre Meinungen und Ansichten in die öffentlich-gesellschaftliche Diskussion einbringen. 

Was in den letzten Monaten allen, nicht nur den Kindern und Jugendlichen, am allermeisten gefehlt hat, ist die Begegnung und der Austausch mit anderen Menschen. 

Genau deshalb haben wir uns noch mehr als sonst ins Zeug gelegt – gerade in Zeiten von Abstand und Vorsicht – um ein Festival zu gestalten, dass allen Kindern und Jugendlichen eine möglichst große Vielfalt an Begegnungs- und Austauschmöglichkeiten eröffnet. Dazu haben wir bewährte Formate weiterentwickelt, an die besonderen Corona Bedingungen angepasst und ganz neue Formate entwickelt: 

  • Wir zeigen eine maximal große Vielfalt an Stücken im Live Programm (insgesamt 13 Stücke), von den bearbeiteten Themen her, den Inszenierungsformen, den Kontexten und beteiligten Institutionen
  • Wir haben dieses Jahr zum allerersten Mal ein rein digitales Programm, das zeigt, auf welch kreative und berührende Weise (im doppelten Wortsinn) Kinder und Jugendliche Wege gefunden haben, trotz Lockdown künstlerisch zu arbeiten und dabei neue künstlerische Formen gefunden haben
  • Es gibt Intensivworkshops, performative Debatten, Aufführungs- und Publikumsgespräche für die auftretenden Ensembles
  • Es gibt eine eigenes Jugendteam und eine inklusive Begleitgruppe, die das Festival mitgestalten und verändern 
  • Es gibt ein vielfältiges Programm für Schüler:innen mit Aufführungen, Workshops, Gesprächen bis hin zu zwei ganzen Projektwochen
  • Kinder aus einem Kooperationsprojekt mit einer Gemeinschaftsunterkunft führen ihr eigenes Stück im Festival für eingeladene Ensembles auf
  • Es gibt ein offenes Programm für Jugendliche – die Rampenlichter Sun-Days – mit Aufführungen, Workshops und Tanz- und Kunstaktionen im öffentlichen Raum 
  • Jugendliche aus verschiedenen TUSCH-Partnerschulen entwickeln zu drei bei Rampenlichter gezeigten Produktionen ein eigenes Stück 
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene forschen darüber, wie die Zusammenarbeit mit Schule besser gelingen kann und präsentieren und diskutieren ihre Ergebnisse im Festival mit ihren Zuschauern 
  • Unser diesjähriges Residence-Projekt mit Jugendlichen aus acht verschiedenen Schulen bringt mit Tanz und Film vergessene Orte der NS-Zeit zurück ins öffentliche Bewusstsein 

Und wir schaffen zwischen all diesen Bereichen und Formaten – trotz und gerade wegen Corona – Verbindungen, Berührungspunkte und eine hohe Durchlässigkeit, um die unterschiedlichsten Gruppen miteinander in Kontakt und ins Spiel zu bringen: junge Künstler:innen geben sich gegenseitig Workshops oder für Gruppen der Schulprojekttage, Gastgruppen, die hier live vor Ort sind, tauschen sich mit Gruppen des Digitalprogramms in Zoom-Meetings aus, Kinder und Jugendliche aller Altersstufen nehmen am Schüler:innen-Programm und den offenen Angeboten teil, u.v.m.

All dies zusammen schafft Möglichkeiten, sich zu entfalten, und Herausforderungen, an denen man wachsen kann. Die Komfortzonen verlassen. Alle. Rampenlichter als ein künstlerischer Schaffensort von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, in dem alle durch die und mit den anderen lernen und sich weiterentwickeln. Neugierig sein aufeinander. Alle Überlegenheit über Bord werfen. Scheitern. Neu anfangen. Konfrontation mit Andersartigkeit, Neuem, Fremden, Aushalten und kreativer Umgang mit Unterschieden.

Und bei all dem stehen die künstlerischen Mittel Tanz und Theater in Zentrum. Der künstlerische Ausdruck und Räume, die diesen ermöglichen, sichtbar machen und pushen, sind so unglaublich wichtig. Tanz und Theater sind wichtiger denn je. Beide haben etwas mit Verbindung zu einem selbst zu tun und auch mit Verbindung zu anderen. Tanz und Theater weisen immer auch über das Individuelle hinaus, verweisen auf etwas Allgemeines, Größeres, ja Universelles. 

In diesem Sinne – und das ist der letzte Punkt meines Beitrags zu Eröffnung – hat das alles auch eine politische Dimension: denn am Ende des Tages oder am Beginn dieses Festivals geht es letztlich um eine Gesellschaftsvision, um die Frage, wie wir unser Zusammenleben gestalten wollen und welche Rolle Kunst und Kultur in unserem Leben spielen sollen. 

Um dies zu verdeutlichen zum Schluss ein Zitat von Frank Schubert von der Hochschule der Künste Berlin, der selbst einmal mit einer Produktion an Rampenlichter teilgenommen hat: 


„Es geht um viel. Es geht nicht nur um Theater. Es geht nicht nur um junge Menschen. Es geht um die Generation, die sich aufmacht die Zukunft zu bauen. Nicht mehr und nicht weniger. Und genau das tun sie bereits mit ihren Mitteln auf diesem Festival.“

In diesem Sinne wünsche ich euch/Ihnen nun einen wunderbaren Eröffnungsabend! 

Alexander Wenzlik, Elisabeth Hagl und Sebastian Korp 

Leitung Rampenlichter 

Rampenlichter goes Podcast!

Anna Weber, FSJlerin bei Spielen in der Stadt, hat spannende Interviews mit den Darsteller:innen unseres Digital Programms geführt und diese in Form einer Podcastserie – eine Folge pro Stück – für alle interessierten Zuhörer:innen via Soundcloud zur Verfügung gestellt.

Eine Einleitung, in der Anna sich und ihr Projekt kurz vorstellt, findet ihr auf unserer Übersichtsseite zum Digital Programm. Die einzelnen Interviews können dann in den einzelnen Stückbeschreibungen oder auch alle direkt nacheinander in unserer Soundcloud-Playlist angehört werden.

Einen Vorgeschmack auf die Inhalte gibt euch der folgende Teaser:

Der eingespielte Track Saulsalita Soul ist von Mr.ruiZ – vielen Dank für die Nutzung!

Viel Spaß beim Reinhören!

VOM FESTHALTEN UND LOSLASSEN, ÜBER ZUCHT UND WIDERSTAND BIS ZUR APOCALYPSE

Es war nicht leicht zu entscheiden, wer aus 79 Bewerbungen zum diesjährigen Festival eingeladen wird. Umso mehr freuen wir uns folgende Auswahl für das 12. Rampenlichter Festival bekanntgeben zu können:

FÜR DAS RAMPENLICHTER BÜHNENPROGRAMM SIND EINGELADEN:

  • Düsseldorfer Schauspielhaus – Bürgerbühne mit SCHON KLAR! – DER KLASSIKER (AT), Theater
  • Ensample – Junges Tanztheater Ensemble, Herne mit STÜCK04, Tanztheater
  • Theater X / JugendtheaterBüro Berlin – NeXt Generation das junge Ensemble, in Kooperation mit Lamda e.V. – bildungspolitischer Jugendverband von und für schwule, lesbische, bi-, trans, inter, queere (LSBTIQ) Jugendliche in Berlin und Brandenburg, JOG (Jugendliche ohne Grenzen) – aktivistischer Zusammenschluss von jugendlichen Geflüchteten mit APOCALYPSE YESTERDAY, Theater und Film
  • Theater an der Rott – DIE ZEHN (Ensemble aus den vier Theaterclubs), Eggenfelden mit GENIE UND WAHNSINN – DIE MONOLOGE (AT), Sprechtheater mit Gesang und Tanz
  • Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks – Education, in Kooperation mit Junges Gärtnerplatztheater und Mittelschule Blumenau München mit DER FILM VOM SOLDATEN (AT), Film und Tanz
  • Diakonie München und Oberbayern mit MASKEN DER PANDEMIE (AT), Tanztheater
  • Theaterhaus Stuttgart – Theaterhaus PLUS mit REAL BUT NOT REAL, Tanz und Film
  • KopfKaos Performance Gruppe vom UNART Festival, Bürger:Bühne Staatsschauspiel Dresden mit WEIL ICH ES KANN, Performance
  • Bühne Art&shok e.V. – Jugendcompany, Hamburg mit NULLACHTSIEBZEHN, Tanz
  • TAO Theater am Ortweinplatz Graz (Österreich), in Koproduktion mit dem Theaterland Steiermark mit ZUCHT. NEUE ZEITEN BRAUCHEN NEUE KÖRPER, Theater

FÜR DAS RAMPENLICHTER DIGITALPROGRAMM SIND EINGELADEN:

  • Theater Baden-Baden – Jugendclub U22
    Das Gewächshaus, Hörspiel
  • Little Black Fish Collective Berlin
    Nach wie vor – Widerstand II, Film
  • Theater Oberhausen
    Medea Mashup, Film
  • Kresch-Theater Krefeld – KRESCHstadtjugendtheater+
    Love Stoned – ein Videostream
  • Dancing Grounds, New Orleans (USA)
    Solastalgia, Film
  • GRIPS Theater und RambaZamba Theater, Berlin
    Geh,fühle! Ein filmisches Tanztheater
  • Neuköllner Oper – Junge Neuköllner Oper, Berlin
    HOW TO CONTROL YOUR ANGER IN 10 EASY STEPS, Film
  • Impro macht Schule e.V. – Echt.Jetzt Ensemble, München
    Echt.Jetzt MOVIE

FÜR DAS RAMPENLICHTER RESIDENCE PROGRAMM SIND EINGELADEN:

  • Spielen in der Stadt e.V. in Zusammenarbeit mit dem NS-Dokumentationszentrum München mit dem Projekt „always remember. never forget“

Darüber hinaus wird ein unter der Leitung von Pädagogisches Institut München und PATHOS München eigens für Rampenlichter gegründetes Ensemble aus Teilnehmer*innen der verschiedenen TUSCH München Schulen zu vier bei Rampenlichter gezeigten Produktionen ein Theaterstück entwickeln.

Wir freuen uns auf ein vielfältiges Programm und ein rauschendes Tanz- und Theaterfest vom 09.-22. Juli 2021 im Schwere Reiter – Tanz Theater Musik, auf dem Kreativquartier München | Dachauer Straße und zum ersten mal auch online!

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Ausschreibung Rampenlichter 2021

Zum zwölften Mal laden wir deutsche und internationale Tanz- und Theatergruppen aus unterschiedlichsten Projektkontexten ein, sich für Rampenlichter – Das Tanz- und Theaterfestival von Kindern und Jugendlichen zu bewerben.

Bewerbungen sind in der Zeit von 12. Oktober 2020 bis 10. Januar 2021 auf www.rampenlichter.com möglich. Das Festival findet von 09. bis 22. Juli 2021 im Theater schwere reiter und auf dem Kreativquartier in München statt.

Die Ausschreibung richtet sich an Produktionen mit Kindern und Jugendlichen, die in freien Projekten, jugendkulturellen, inklusiven oder kulturpädagogischen Kontexten, in freien Ensembles und Zusammenhängen, in Kooperation mit Schulen oder an Tanz- und Theaterhäusern entstanden sind.

Wir sind sehr gespannt auf eure Bewerbungen und wünschen allen Ensembles, dass bald wieder Proben möglich sind, viel Zuversicht. Keep on dancing and playing!

Euer Rampenlichter Team

Save the Date! Rampenlichter 2021

Die zwölfte Ausgabe von Rampenlichter findet im Juli 2021 wieder im Theater Schwere Reiter auf dem Kreativquartier statt. Rampenlichter ist eine Plattform für alle tanz- und theaterbegeisterten Kinder und Jugendlichen, die sich beim Festival von Produktionen von und mit Kindern und Jugendlichen inspirieren lassen und in unterschiedlichen Formaten kreativ austauschen können. Die Ausschreibung startet im Herbst 2020.

Save the Date: 9. bis 22. Juli 2021, Theater Schwere Reiter

Rampenlichter 2019 – Daniele über das Stück „IF YOU DON’T KNOW… NOW YOU DO“

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Die Gruppe besteht aus Schülern des Wilhelm Hausenstein Gymnasiums und Willy Brandt Gesamtschule. 9 Jugendliche begeisterten das Publikum im Stück if you dont know …  now you do. Sie zeigten verschiedene Ängste einer Person auf die im Krieg aufwachsen musste und natürlich Familien Mitglieder aus dem nichts verlor.

In einer Szene standen die Künstler verteilt vor einem weißen Hintergrund und es wurde demonstriert wie sie nacheinander hingerichtet wurden.

Am Ende überlebte nur einer von ihnen der sich fragte aus welchem Grund gerade er überleben durfte.

Er sah wie alle um ihn herum gestorben sind und bekam Hilfe von einem Menschen um damit klarzukommen.

Die Frage war: Was ist Menschlichkeit?

Auch wurde dargestellt wie ein kleiner Mann es durch Hilfe vieler Menschen es schaffte auf einem Schiff über jegliche Probleme zu stolpern ohne zu fallen.

Egal ob klein oder groß, schwarz oder weiß, du bist gut wie du bist.

In Kooperation der zwei Schulen mit dem NS Dokumentationszentrum kam dieses Stück zu Stande.

Daniele

Rampenlichter 2019 – Bloggerin Sophie über „Stimmen bei Rampenlichter“?

Was mich persönlich an den Stücken auf der Bühne reizt, begeistert und immer wieder fasziniert, ist die Flüchtigkeit der Materie, also wie die Gegenwart im Handumdrehen zur Vergangenheit wird. Und wie schnell, das was auf der Bühne passiert, „weg“ ist.

Die Wahrnehmung jedes Einzelnen ist unterschiedlich und genau das macht es so aufregend. Ob als auftretender Künstler, als Leiter einer Gruppe, als Zuschauer oder als Workshopteilnehmer – es entstehen so viele unterschiedliche Eindrücke und Aussagen die mich und vielleicht auch andere, inspirieren.

Letzte Woche hat mir beispielsweise eine Teilnehmerin einen kleinen Einblick gegeben. Für sie ist es spannend neue Erfahrungen als Gruppe zu sammeln. Man schweißt bei einem künstlerischen Prozess zusammen wie eine kleine Familie. So eine Woche gemeinsam eine Leidenschaft zu zelebrieren, ist unglaublich schön. Für viele Leute ist es unvorstellbar, in einer großen Gruppe lange auf einem Haufen zu sein. Doch weil sie ja schon im Probenprozess so eng und intim miteinander arbeiteten, sei das nie ein Thema gewesen. „Schweiß und Nerven verbinden!“  -Teilnehmerin-.

Der Umgang unter den Leuten ist harmonisch und offen, und eigentlich geht es auch nie darum, auf Perfektion zu arbeiten, sondern um den Spaß und die Leidenschaft zu teilen. Das merkt man vor allem in den Erarbeitungsprozessen der Workshops. „Es ist schon seltsam wenn man sich mit fremden Leuten im Workshop befindet. Doch sobald ein sehr naher Körperkontakt, wie beispielsweise beim Tanzen aufgebaut wird, ist man sich nicht mehr fremd. Es ist etwas Besonderes, das man im Alltag so nicht hat und die vielleicht anfängliche Hemmschwelle schnell wieder verliert. “-Tänzerin-.

Wenn nach den Aufführungen die Künstler dem Publikum Fragen stellen können und andersherum, bemerkt man die Euphorie der Teilnehmenden. Sobald die erste Frage gestellt wurde, fällt auch dort die Hemmschwelle.

„Das Künstlergespräch! Wie schön ist es bitte, wenn man so nah mit Leuten auf der Bühne agieren kann? Am Anfang habe ich das Stück ganz anders verstanden. Aber ich habe, was ja nicht wirklich schlimm ist, auch viele Szenen anders interpretiert. Erst im Nachhinein hat sich für mich vieles geklärt. Das Hintergrundwissen das ich während dem Gespräch bekam, hat mich wirklich begeistert“ – Zauschauer-

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Theater Freiburg/School of live and Dance beim Publikumsgespräch

Bei Rampenlichter gibt es unterschiedliche Gelegenheiten die eigenen Lieblingsmomente, ungeklärten Fragen, Anmerkungen, oder auch Meinungen und Gedanken zu teilen. Nach einem Auftritt, bei den Künstlergesprächen, oder auch innerhalb der Gruppen unter sich, fördert Rampenlichter in unterschiedlichen Ebenen den Austausch der Kunst.

Sophie Kölling