Story Lab 1986/2016 – aus Sicht einer Zuschauerin

 

Als Tomek auf Englisch ins Publikum fragt, wogegen wir rebellierten, was wir hassten, will ich sagen „die Arbeitsorganisation“ oder „Gesellschaftliche Pflichten“, eigentlich auch das, was die Schauspieler*innen auf der Bühne gerufen haben, in ihrer Rolle im Jahr 1986. Das Stück fasziniert mich. Mir fällt auf, dass die Jugendlichen damals und heute ähnliche Probleme, ähnliche Wünsche und Ängste haben. In einigem gibt es auch absurde Gegensätze, über die ich schmunzeln muss. Es gibt immer etwas, über das sie sich beschweren. Doch die Art der Rebellio n ist meistens anders. Und natürlic h das System. 1986 herrschte in Pole n Kommunismus, 2016 Demokratie. Nach dem Stück setze ich mich draußen in die Sonne, beobachte die Leute auf dem schönen Rampenlichter-Gelände und überlege, was wohl die Botschaft des Stücks ist und was es für die Schauspieler*innen selbst bedeutet.

Später sehe ich einen Teil der Gruppe in der Nähe des Essenszelts. Ich gehe zu ihnen und frage sie danach. „Oh, das ist schwierig“, antwortet ein Mädchen auf Englisch. Ich muss lachen. Schließlich antwortet mir ein Junge. Er meint, das Stück hätte keine richtige Botschaft. Es ging ihnen darum, sich mit der Vergangenheit ihres Landes und der Generation ihrer Eltern auseinander zu setzen und einen Vergleich zu den heutigen Verhältnissen herzustellen. Ich frage, ob die Beschäftigung mit der Vergangenheit seine Einstellung über die Gegenwart geändert hat. Er verneint. Natürlich sehe er, dass es den Leuten damals nicht so gut ging wie heute und er schätz die heutigen Verhältnisse. Interessanter sei aber der Austausch mit der älteren Generation gewesen, ihre Geschichten zu hören und ihre Sichtweise. Und auch die ältere Generation war an der Sichtweise der heutigen Jugendlichen interessiert. Und im Mittelpunkt stand dann die Inszenierung. Sie hatten das eigentlich nur so für sich gemacht, dann aber gesehen, wie gut das Stück ankam. Heute war bereits die zehnte Aufführung.

Seine Frage, ob das Stück gut auf Deutschland übertragbar sei, beantworte ich lachend mit Ja. Ich habe vieles wiederentdeckt. Das ist auch interessant zu sehen, dass die Generationen international sehr ähnliche Ansichten haben. Die Gruppe aus Polen und ich stimmen darüber überein, dass es eine große Chance ist, dass sie als internationale Gruppe zum Rampenlichter Festival eingelade n wurden. Der entstehende interkulturelle, intergenerationale und künstlerische Austausch ist sehr spannend und wichtig.

Lena

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