Zwei Perspektiven zu dem Stück „Stück04“ von Ensample, Junges Tanztheater Ensemble, Herne

Das Junge Tanztheater Ensemble Ensample aus Herne ist eine sehr heterogene Gruppe – und das in jeder Hinsicht. Die Tänzerinnen und Tänzer kommen alle aus Herne oder der Umgebung, und sie bringen alle ihre ganz eigene Geschichte mit in das Stück ein und auch ihren Tanzstil: Ballett, Breakdance, Popping, Modern – all diese Einflüsse prägen es. 

„Unruhe“ als Leitmotiv für die Konzeption der Tanztheaterdarbietung ist einer der gemeinsamen Nenner des Bühnenwerks und der Darsteller*innen. Daneben sind es die Liebe zum Tanz und ähnliche Ansichten, was Themen wie Rassismus, Feminismus, Obdachlosigkeit, Unterdrückung und Benachteiligung gesellschaftlicher Minderheiten und Randgruppen angeht. All diese Stichwörter haben natürlich eine sehr große politische Dimension und so ist es nicht verwunderlich, dass die Darstellung dieser Themen und von diesen gegenüberstehenden Protestbewegungen als Ausdruck der Unruhe, ausgelöst von Ungerechtigkeit und gesellschaftlichen Missständen, Grundlage für die inhaltliche Ausgestaltung und tänzerische Umsetzung ist.

Für die Zuschauer ist dieser inhaltliche Pfeiler nicht nur unübersehbar, sondern auch nachdrücklich fühl- und spürbar. Das Spiel mit Licht und Schatten, der Wechsel zwischen schnellen und langsamen Sequenzen, laut und leise, Monologen und Tanzszenen, die allgemein gedeckten und eintönig, ja gleichmachenden Outfits, von denen sich nur ein greller, roter Schal absetzt, all das ist der Inbegriff von Dynamik, von Antrieb und Unruhe. Auch die Wahl der Musikstücke, die tendenziell wenig melodisch – oder wenn doch, eher dramatisch, trist treibend – und stark rhythmisch sind, mit Geräuschen, die Klopf- oder Schrittgeräuschen gleichen und teilweise basslastig sind, unterstreichen und fördern diese Atmosphäre.

Der Einsatz von unzähligen Schuhpaaren – vom Gummistiefel hin zu High Heels – in verschiedenen Kontexten und Szenen ist ein besonderes Detail: Die Schuhe, scheinen mal Wurfgeschosse oder gar Bomben, mal materielle Güter, die es anzuhäufen und zusammenzuraffen gilt, mal Sinnbild für Ordnung und Chaos oder die systematische Aufspaltung in verschiedene Nationen und Länder, Interessengruppen und gesellschaftliche Milieus, Mehrheit und Minderheiten zu sein. Wenn sie zuletzt über die ganze Bühne verstreut liegen und über sie hinweg und zwischen ihnen getanzt wird, drängt sich unweigerlich der Eindruck eines Schlachtfelds auf.

Die tänzerische Leistung der Darsteller*innen war für die Augen eines Laien beeindruckend. Bewegungen, die das Erschossen-Werden imitierten, wirkten so echt, dass man beinahe nach dem Maschinengewehr Ausschau hielt. Manche Szenen waren so sanft und einfühlsam getanzt, dass sie zu Tränen rührten, andere so voller Aggression und Nachdruck, dass sie einschüchterten und erschreckten. Das Zusammenspiel der Tänzer*innen schien nahezu mühelos und wirkte nahtlos. 

In einer Szene, bei der alle Tänzer*innen in der linken hinteren Ecke mit Rücken zum Publikum einen Protestmarsch oder Aufstand darzustellen schienen, wirkte – durch einen geschickt positionierten Scheinwerfer – vor allem der Schattenwurf, der sich über die gesamte Bühnenfläche, hoch über die rechte Bühnenaußenwand zog, bedrohlich – wie eine Szene in einem Horrorfilm, kurz vor der nächsten Tat des Serienmörders.

Spannung wird zu Beunruhigung wird zu Unruhe.

Im anschließenden Publikumsgespräch wurden einige Aspekte des Stücks noch sehr viel greifbarer:

Ein Darsteller öffnete sich so weit, über seine Kriegserfahrungen in Syrien zu sprechen, die Eingang in sein Solo fanden. Die Schilderung berührte zugleich ganz tief und ließ einen andererseits vollkommen ratlos und betroffen zurück, da einem jede naheliegende Reaktion auf eine solche Erfahrung unangemessen erscheint und es sich der Vorstellung eines durchschnittlichen Westeuropäers entzieht, mit welcher Not und welchem Schmerz ein solches Erlebnis verbunden sein muss.

Es bestätigte sich zudem, was schon in der Performance sichtbar war: Die Darsteller*innen fühlen sich fast schon wie eine Familie, so innig sind die Beziehungen zwischen ihnen durch die gemeinsame Arbeit am Projekt geworden.

Sehr überraschend war allerdings, dass die gesamte Vorbereitungszeit für das Stück sich auf nur ca. vier Wochen belief.

Umso beeindruckender ist, was das Ensemble und deren Leitung geschaffen und geleistet haben. Nämlich ein tief berührendes und zum-Nachdenken-anregendes Stück, das absolut sehenswert ist.

Danke dafür!

Dominik

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Bildnerisch werden die Gefühle der Menschheit in der ersten Pandemie dargestellt. 

Der Mensch vereinsamt und traut sich nur noch einzeln auf die Straße. 

Die Tänzer:innen kamen auf die Bühne und es wurde das Lied Imagine von John Lennon interpretiert. 

Ein Artist war auf der Bühne und bewegte sich zu Klängen der Melodie im Hintergrund. 

Sind wir nicht alle Unikate und laufen einsam durchs Leben?

Kann es anders vielleicht doch besser sein?

Wie lange wird es noch dauern bis wir uns wieder anderen Menschen annähern und es gemeinsam angehen?

Jeder vereinsamt aber nein red es dir nicht ein. DU BIST NICHT ALLEIN. 

Zusammen sind wir stark!

Dies ist nicht das Ende sondern die Chance eine neue Revolution zu starten. 

Daniele 

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